Teppichgalerie Mona - Tex Heppenheim


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Teppich ABC


Afghan
Die Afghan-Teppiche werden von Turkmenen-Stämmen hergestellt, die in Nordafghanistan siedeln, zumeist von den Ersari- und Sarik-Turkmenen. Das Muster zeigt auf rotem Grund große Oktogene, die in drei bis fünf Reihen fliesenartig angeordnet sind und mit kleinen Raute-, Stern- oder Polygonformen versetzt alternieren. Die Oktogene sind in Viertel aufgeteilt, von denen je zwei diagonal gegenüberliegende die gleiche dunkelblaue, orange-gelbe, hellrote und weiße Farbe haben, in die aus dem Kernstück des Oktogons einfache Pflanzenmotive hineinragen. Das Oktogon wirkt wie eine geometrische Blüte; man nennt die Form auch Gul (=Blume). Die Borte enthällt kleine Quadrate, Hexagone, Rauten und andere geometrische Motive, die mit Beiwerk in drei Bahnen angereiht sind. Typisch ist die Begleitborte mit wechselständigen Volutenblüten. Das Muster hat bei der selben Anlage viele Varianten an Motivform und Beiwerk. Das Kolorit ist einprägsam mit dem vorherschenden Rot und den dunkelblauen Konturen und Farbflächen der Motive. Die heute in Werkstätten massenweise hergestellten Afghans mit ihrem hohen Flor und dunklen Ochsenblutrot haben mit den Afghans der Nomaden, die auf einem niedrigeren Flor ein warmes Kupferrot, Orange-Gelb, etwas Hellblau und Grün zeigen, nur noch das Muster gemeinsam. Alle Afghan-Typen werden mit Kettfäden aus grauem Ziegenhaar mittelfein bis grob geknüpft. Sie haben mit schwarzem Ziegenhaar umwickelte, flache Seitenkanten und breite, gestreifte Webansätze an beiden Enden. Im Allgemeinen haben die Afghans nahezu quadratische Brücken- und Teppichformate.
Die Knüpfdichte beträgt bis zu 160.000 Knoten pro Quadratmeter.

Berber
Es gibt in Europa seit dem Mittelalter in orientalischen Stil wie auch in eigener Manier gemusterte, geknüpfte oder gewebte Spanien- und Portugiesen-Teppiche, genannt "Hispano-Mauresk", ferner Albanien-, Bulgarien-, Griechen-, Rumänien- (Bessarabien-), Ungarn- und Jugoslavien-Teppiche. Es kommen zuweilen auch in Nordafrika hergestellte Berber-Teppiche auf den Markt. Die Produkte dieser Länder weisen bestimmte Eigenarten auf, die Herstellungsort und Herkunft gut erkennen lassen. Zum größten Teil sind die Nachahmungen orientalischer Typen oder zeigen von solchen Typen beeinflusste Barock- und Rokoko-Muster.

Bidjar (Bidschar)
Die Knüpfereien der westpersischen Stadt Bidschar im Bezirk Gerus erzeugen eine besondere Teppichart, die oft von brettartiger Steifheit ist. Diese lässt sich durch ihre dicke und harte Struktur von allen anderen Teppichen leicht unterscheiden. Obwohl die Bidschars wollenes Grundgewebe haben und mit türkischen Knoten geknüpft sind, die normalerweise zur besten Struckturbildung führen, ist ihre Beschaffenheit doch unausgeglichen. Es wurde ihnen schon häufig zum Nachteil, dass das Garn ihres Grundgewebes allzu gestaffelt , gestrafft und durch den zusätzlich eingefügten Füllschuss zu gedrängt ist. Da ihnen die nötige Elastizität fehlt, bricht oft das Gewebe durch; sie sind dann nur sehr schwer zu reparieren. Der hohe, glatt geschorene Flor besteht sonst aus vorzüglicher glänzender Wolle von besonderer Haltbarkeit. Die Muster zeigen vornehmlich etwas eckig gezeichnete Medaillongliederung auf kleinteilig durchgemustertem oder auf einfarbig rotem Grund. Es gibt auch aus Ranken bestehende Rautenmusterung des Feldes, die mit Palmetten und Vasen gefült ist. Medaillons und Ecken sind mit Arabeskblüten, der Grund mit Herati-Motiven gemustert. Etwas seltener kommt ein fortlaufendes Rapportmuster aus größeren floralen Motiven vor. Die Borte enthällt eckige Wellenranken mit Palmetten, Rosetten und Blättern. Der Grund ist kamelhaarfarben, ziegelrot oder dunkelblau, das Muster mäßig bunt. Bidschars werden in allen Größen angefertigt. Ihre Knüpfungsdichte weist durchschnittlich 240.000 türkische oder persische Knoten pro Quadratmeter auf.

Buchara (Bochara)
Nachweislich wurden in der Stadt Buchara keine Teppiche, sondern nur Seidenstoffe hergestellt. Die sogenannten Buchara-Teppiche sind die Knüpfarbeiten der auf dem Gebiet des ehemaligen Emirats Buchara siedelden Sakar-, Salor- und Tekke-Turkmenen. Man gruppiert sie richtiger unter der Sammelbezeichnung "bucharische Teppiche" ein. Am schönsten und feinsten unter ihnen waren schon immer die Erzeugnisse der Tekke-Turkmenen, auch Tekkini genannt (siehe Tekke-Turkmene).

China
Im Westen wurden lange Zeit die Knüpfarbeiten Ost-Türkistans für China-Teppiche gehalten und ihre größtenteils alttürkischen Ornamente als chinesische Motive angesehn. Als nun das Interesse amerikanischer und europäischer Importfirmen für diese Teppiche erwachte, intensivierten chinesische Kaufleute die Produktion in jenen Außengebieten (Hsinkiang), wo viezüchtende Stämme die nötige Schafwolle zur Verfügung hatten. Kurz danach entstanden auch in den Provinzen Kansu, Ninghsia und Suiynan sowie in den Städten Paotou, Peking und Tientsin große Knüpfereibetriebe, in denen man Nachahmungen von Khotan-Teppichen, zumeist aber neuartige Teppiche mit verschiedenen Kreationen chinesischer Dekorationselemente verfertigte . Man nahm dem auf diesem Gebiet von alters her vertrauten Filzteppiche zum Vorbild, dessen eingewalkte oder aufgenähte, locker verlegte Motive sich leicht auf die ziemlich groben und
hochflorigen Knüpfteppiche übertragen ließen. So sind der flächige Dekor und das Kolorit zum Stil der China-Teppiche geworden. Während jedoch Filzteppiche eine stilistische Ordnung zeigen erschöpft sich der an sich teppichfremde Stil des chinesischen Teppichs in einer gliederungsfreien, zumeist unsymmetrischen Verteilung gleichsam aufgelegter Motive und bildender Elemente. Charakteristisch sind das auf dunkelblauem oder rosafarbenem Grund aus einem rundlichen, gitterartigen Emblem oder sich windenden Drachen bestehende Mittelmotiv und ähnliche Ornamente als Eckfüllungen. Es sind dicke Teppiche mit einer Dekoration, die aus spärlich verteilten, naturnah gezeichneten Gegenständen, Tierfiguren, Symbolformen und Blütenzweigen besteht. Geschätzte Motive sind Vasen mit aus ihnen aufsteigenden Blüten in natürlicher Anordnung auf perspektivisch abgebildeten Tischchen, Landschaften mit Häusern, Teiche mit Bogenbrücken, Laternen, ja sogar dreiteilige Paravents mit treu wiedergegebenem Dekor. Es gibt unter ihnen die ohne seitliche Bordüren geknüpften Säulen-Teppiche, die um eine Holzsäule befestigt wurden. Die Motive sind oft nur in Dunkel-und Hellblau auf Grau oder in einigen oft süßlichen Pastelltönen anderer Farben koloriert. Bekannt sind die aus dem 19. Jahrhundert und aus der Jahrhunderwende stammenden nach den Provinzen und Städten ihrer Herkunft so bezeichneten Kansu-, Ninghia-, Peking- und Suiyuan-Teppiche. Hinzu kommen die heutigen Hongkong- und Tientsin-Teppich, deren Zeichnungen auf hellblauem, hellgrünen oder lachsroten Grund zumeist um ein rundliches Mittelornament frei oder symmetrisch verteilte, großzügige und flächig kolorierte Pflanzen- und Blütenmotive in hellen Farben zeigen. Neuerdings werden die Motive in den hochflorigen Teppiche und Brücken mit der Schere reliefartig nachgeschnitten. Die China-Teppiche haben dünne, baumwollene Kettfäden und vierfach zugeführt Schussfäden sowie einen hohen, dichten Flor aus mattglänzender Wolle. Die Struktur ist recht schwer und fest mit geriffelter Rückseite. Ungefähr 100.000 persische Knoten entfallen auf den Quadratmeter.

China-Seide
Vor gut 20 Jahren begann man in China gezielt Teppichdessins des Vorderen Orient zu imitieren. Die Anfangsporodukte sahen noch entsprechend einfach aus und waren folglich nur schwer auf dem wichtigen deutschen Markt abzusetzen. Doch man lernte schnell, und schon bald entwickelten die Chinesen das Feingefühl, einer Imitation den Charakter des Originals zu verleihen. Seine höchste Vollendung fand dieses Nachahmen im Knüpfen der Dessins türkischer Seiden-Hereke, die nun seit bald zwanzig Jahren auf dem Markt sind. Anfangs fast sklavisch kopiert, aber die Florseide im Griff sehr viel weicher als die türkischen Originale, werden diese Seiden-Knüpfungen jetzt auch mit dem Türkischen Knoten sehr gekonnt geknüpft. Diese spezielle Produktion wird Doublenot-Ware genannt. Sie ist merklich höher im Preis und handwerklich kaum noch vom anatolischen Original zu unterscheiden. Die als Singleknot-Ware klassifizierten Knüpfungen werden hingegen mit dem Persischen Knoten geknüpft. Sie sind deutlich preiswerter.
In den Farbkompositionen, die heutzutage durchweg sanfter, pastellartiger sind, gehen die Chinesen inzwischen jedoch eigene Wege und haben sich von ihrem türkischen Stammvater erkennbar emanzipiert. Allerdings ist den Dessins immer noch die wohl auch beabsichtigte Verwandtschaft anzusehen. Typisch chinesische Stilelemente, sowie die in der chinesischen Kunst bedeutsamen, ruhigen Freiflächen im Fond fehlen in diesen Seidenknüpfungen völlig.
Geknüpft wird im seit Jahrtausenden bestehenden "Seidengürtel" Chinas, in der Provinz Henan, mit Schwerpunkt Region Shanghai. Die größte Manufaktur befindet sich in der Stadt Zhenping und beschäftigt inzwischen um die hunderttausend Knüpfer. Die Vermarktung dieser Produktion findet weltweit über einen deutschen Großimporteur statt, der erst kürzlich den feinsten Knüpfteppich der Welt präsentierte, einen Zhenping mit der unglaublichen Knotendichte von 15.500.000 Knoten pro Quadratmeter.




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