Teppichgalerie Mona - Tex Heppenheim


Direkt zum Seiteninhalt

G-J

Teppich ABC



Ghom
Die alte heilige Stadt Kum in Mittelpersien ist Herstellungsort einer der besten Teppicharten der Neuzeit. Hell, sehr freundliche Teppiche und Brücken werden hier mit manigfaltigen klaren floralen Mustern in besonderer Feinheit geknüpft. Der dichte, glattgeschorene mittelhohe Flor besteht aus fester Wolle mit mattem Glanz. Mit ihrem Grundgewebe aus dünngezwirnten Baumwollfäden haben die Ghums eine Lederstarke, aber biegsame Struktur. Fortlaufend gerichtete Muster versetzt angeordneter Botah- und verschiedener Pflanzenmotive in unendlichem Rapport überwiegen; aber auch geometrische Feldeinteilungen durch Rautung und Quadrierung sind zu finden. In Längsrichtung verlaufende Parallelbahnen werden ebenfalls bevorzugt.Es kommen auch, allerdings seltener, Medailongliederungen mit Rankenwerk vor. Versetzt angereihte zierliche Vasen mit Blumensträußen und kleinen Vögeln muten an wie die Dekors von Biedermeier-Porzellan. Gitterartig angeordnete Blüten-
und Blattarabesken erinnern an die Muster der alten Seldschuken-Teppiche. In der Feldeinteilung sehen wir Trauerweiden, Blütenstauden, Botah-Motive und kleine Gebetnischen als Füllung. Die Längsbahnen der Steifeneinteilung enthalten. Wellenranken, die mit Botahs als Blüten besetzt sind. In der Borte werden Arabeskranken und Arabeskblätter mit Palmetten angereiht. Das Kolorit ist bunt aber weich und gedämpft. Dunkelblau und ein kräftiges violettes Rot wechseln plastisch mit den Pasteltönen von anderen Farben. Der Grund ist ziegelrot , naturweiß oder mittelblau. Die Knüpfungsdichte liegt zwischen 240.000 und 400.000 persischen Knoten.

Hamadan
Viele der Brücken, Läufer und auch Teppiche sind nach der alten westpersischen Stadt benannt. Nur ein Teil dieser Erzeugnisse stammt jedoch direkt aus Hamadan. Die meisten kommen aus der weiteren Umgebung der Stadt. Es sind verschiedene, zumeist sehr feste Knüpfarbeiten der bäuerlichen und viehzüchtenden Bevölkerung des ausgedehnten Berglandes des Hamadan-Gebiets. Sie werden aus der kräftigen Wolle der Bergschafe geknüpft. Gelegentlich sind sie mit wollenem, vorwiegend aber mit baumwollenem Grundgewebe anzutreffen, und sie haben fast ohne Ausnahme einen ziemlich hohen, dichten Flor. Die Muster sind besonders mannigfaltig, denn man verwendet alle bekannten Motive. Sie werden zumeist in einem rautenförmig gegliederten Feld versetzt angereiht. Das Kolorit weist etwas derbscheckige Töne der Hauptfarben auf, wobei Blau und Rot vorherrschen. Ältere Hamadan-Teppiche haben das langgestreckte Kelei-Format. Das Feld ist gewöhnlich in hexagonförmig verlängerte Rauten
eingeteilt. Diese wiederholen sich durch "Stangen" miteinander verbunden, in der Feldlänge zwei- bis viermal und werden daher als "Stangen-Madallons" bezeichnet. Der Fond ist oft ungemustert rot oder mit dem Herati-Muster gefüllt. Typische Hamadans sind verschieden breite und lange Läufer, die teilweise aus naturfarbenem oder gefärbtem Kamelhaar bestehn. Es kommen neuerdings Hamadan-Teppiche aller Größen, auch unter der Bezeichnung Anjilas und Kharak, auf den Markt. Sie haben verschiedene Blumenmuster mit oder ohne Medaillon, meist in großzügiger Verteilung und mäßig bunten Farben. In ihrem Kolorit herrschen, oft als Grund, gelblich-olivbraune Töne vor; das ist das sogenannte Schuturi (=Kamelhaar), sie bestehen aber aus gefärbter Schafwolle. Diese Teppiche zeigen ein großes Hexagon als Medaillon und sind vorwiegend mit kleinteiligen Heratie-Design fortlaufend durchgemustert. In der Hauptborte sind eckige Palmetten angereiht. Das Grundgewebe besteht aus baumwollenem Kett- und wollenem Schussfäden. Der mittelhohe Flor ist aus kräftiger, glänzender Wolle. Während die ländlichen Brücken und Läufer etwa 120.000 türkische Knoten haben, weisen die Teppiche der städtischen Knüpfereien durchschnittlich 240.000 Knoten pro Quadratmeter auf.

 

Hereke
In der Manufaktur des letzten Sultans in Hereke wurden besonders fein geknüpfte Teppiche mit zierlicher Blütenmusterung erzeugt. Diese sehr hell kolorierten Knüpfarbeiten von bestechender Schönheit haben eine dünne, aber feste Struktur mit seidenem oder baumwollenem Grundgewebe und einen niedrigen Flor. Auf der glänzenden feinfaserigen Knüpfwolle wirken die lichten Töne eines violetten Hellrots, eines Türkisblau und eines Pistaziengrüns seidig schimmernd. Typische Hereke-Muster sind verschiedene Rapports kleiner Streublumen in der Art der Mille Fleurs auf cremefarbenem Grund sowie mannigfache Blumenmotive in Anlehnung an den alten türkischen Stil. Hereke-Muster schöpfen aber auch aus den Design des französischen Rokoko. Außerdem wurden schöne Gebetsteppiche voller Blumen und Arabesken erzeugt. Die Hereke-Teppiche und - Brücken, mitunter ganz aus Seide geknüpft, vertreten noch die ältere Tradition. Die Knüpfungsdichte liegt um 320.000 türkischen Knoten pro Quadratmeter.

Heris
Im nordwestpersischen Bagschaich-Gebiet entstehen verschiedene Knüpfarbeiten mit großzügig stilisiertem Muster. Das ist die Gruppe der sogenannten Bagschaich-Teppiche. Dazu gehören vor allem die in der Stadt Heris und den umliegenden Dörfern erzeugten sehr festen Teppiche und Brücken. Die älteren Heris-Typen haben das langgestreckte Kelei-Format mit dünnerer Struktur, während die jüngeren annähernd quadratisch und ziemlich hochflorig sind. Das flächenhafte Muster wirkt durch die gegensätzlichen aber weichgetönten pflanzlichen Farben besonders ruhig. Im Stil gehört dieses Muster zum Kreis der altkaukasischen "Drachen-Teppiche". In der Zeichnung wurden ja die urwüchsigen, massiv ausladenden, mit Blüten belegten gezackten Blätter sowie die winkeligen Ranken und Palmetten jener alten Typen überliefert. Auch die Komposition des Musters beruht auf der wuchtigen Rautengliederung. Diese ist in der Einteilung des rautenförmigen Feldes zu erkennen, das ein großflächiges Medaillon ausfüllt.
Der Grund ist zumeist rostrot und naturweiß, seltener blau. Die weisen Ecken setzen sich davon kräftig ab. Die Musterteile sind in leuchtendem Hell- und Dunkelblau, Grün und Orangegelb gehalten. Die breite dunkelblaue Borte enthällt geometrische Palmetten mit Lanzettblättern oder dicht gedrängt stilisierte Blütenstauden. Der mittelhohe Flor besteht aus sehr kräftiger und glänzender Wolle. Alle Heris-Typen werden mit baumwollendem Grundgewebe und etwas 80.000 bis 160.000 türkischen Knoten pro Quadratmeter geknüpf. Die Formate reichen von fast quadratischen Brücken bis zu 3x4 Meter großen Teppichen.

Indo-Teppiche
Obwohl ein tropisches Klima wärmende Teppiche nicht nötig macht, wurde hier trotzdem wie auch in Ägypten, eine bedeutende eigenständige Knüpfkunst entwickelt. Es ist nicht von ungefähr, das die Teppichknüpferei in all den Ländern heimisch wurde, in denen die Ansiedlung skythischer und türkischer Völker nachzuweisen ist. Skythenstämme drangen schon im frühen Altertum, aus Zentralasien kommend, in Nordindien ein und schufen hier die skytho-drawidische Kultur. Früh wanderten auch die türkischen Stämme der sogenannten Osthunnen in das Pandschab ein. Wann genau in Indien die Herstellung von Knüpfteppichen began,kann nicht mit Gewissheit gesagt werden. Fest steht, das die türkische Dynastie der Mogul-Schahs (1526-1803) bereits im 16. Jahrhundert große Manufakturen in Lahore, Agra und mehreren anderen Städten des Pandschabs unterhalten hat.

Isfahan
Während der Herrschaft von Schali Abbas dem Großen wurde Isfahan Residenzstadt. Die persische Knüpfkunst hat hier ihre Vollendung erreicht. In Isfahan und Kaschan produzierten die Hofmanufakturen wollene und seidene Prachtteppiche. Die Entwicklung ihres durch Stilisierung immer abstrakter gewordenen Pflanzenmuster war bereits abgeschlossen. Diese vornehme Manufaktur der "Schah-Abbas-Teppiche" hat im Laufe des 17. Jahrhunderts die massenweise Herstellung von gröberen Seidenteppichen abgelöst, bei denen große Flächen geknüpften Flors ausgespart und durch eine Broschierung mit Gold- und Silberfäden ersetzt wurden. Solche Teppiche eroberten schnell den Weltmarkt, das Verfahren hat jedoch zum Verfall der klassisch persischen Teppichkunst geführt.


Startseite | Wir über uns | Teppich ABC | Unser Sortiment | Aktuelle Angebote | Häufige Fragen | Service | Links | Sitemap


Untermenü


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü